Main-Kinzig-Kreis / Hanau. Extreme Sommerhitze, plötzlicher Starkregen oder unerwartete Kälteperioden: Mit dem Klimawandel kommen viele Herausforderungen. Besonders betroffen sind Menschen ohne eigenes Zuhause, die einen Großteil ihres Alltags "auf der Straße" verbringen. Gefördert durch das Bundesprogramm "Klimaanpassungen in sozialen Einrichtungen" hat das Franziskus-Haus der Ökumenischen Wohnungslosenhilfe einen Maßnahmenkatalog erstellt, der das "gelbe Haus" nicht nur grüner machen soll, sondern wohnungslosen Menschen bei allen Wetterlagen einen guten Rückzugsort bieten soll.
"Wohnungslose Menschen sind den klimatischen Veränderungen besonders ausgesetzt", erklärt Einrichtungsleiter Johannes Krause. Das Franziskus-Haus ist für viele ein wichtiger Schutzraum - im Winter wie auch im Rest des Jahres. Denn große Hitze kann für wohnungslose Menschen ebenso gefährlich werden, wie Kälte. Im Franziskus-Haus finden Sie einen sicheren Rückzugsort. Aber: In Sachen Klimaanpassung gibt es großen Handlungsbedarf in der Einrichtung. "Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir im Rahmen des Bundesprogramms ein umfangreiches Klimaanpassungskonzept für unser Franziskus-Haus erstellen konnten", stellt Rainer Broßmann, ehem. Leiter des Franziskus-Hauses und nun Regionalleiter des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis, fest. Ziel des Programms ist es, soziale Einrichtungen widerstandsfähiger gegen die zunehmenden Folgen des Klimawandels zu machen und beispielhafte Lösungen für den gesamten Sozialsektor zu schaffen. Erster Schritt hierfür war eine detaillierte Bestandsaufnahme durch das beauftragte Planungsbüro Hohmann, dass vorhandene Schwachstellen identifizierte. Dabei wurde deutlich: Das Gebäude ist stark hitzegefährdet. Das nach Westen ausgerichtete Gebäude heizt sich im Sommer stark auf, passive Verschattungsmaßnahmen fehlen fast vollständig und im Treppenhaus werden, aufgrund der Plexiglasverkleidung, an heißen Tagen bis zu 40 Grad Celsius erreicht. Die Außenfläche ist außerdem nahezu vollständig versiegelt.
Die Erkenntnisse der Betroffenheitsanalyse sind in einen umfassenden Maßnahmenplan eingeflossen, der besonders naturbasierte Lösungen in den Fokus nimmt: "Das Klimaanpassungskonzept setzt bewusst auf Low-Tech, Natur und Ressourcenschonung", verrät Krause. Neben dem Austausch der Treppenhausverglasung und Jalousien an allen verglasten Außenflächen finden sich auch Ideen wie eine extensive Dachbegrünung zur Kühlung und besseren Wärmeregulierung, die Flächenentsiegelung der Außenanlage und das Schaffen von Schattenbereichen und Aufenthaltszonen im Konzept. Auch der Einbau einer Zisterne zur Bewässerung der Grünflächen ist angedacht. "Für uns ist das Klimaanpassungskonzept ein wichtiger Meilenstein, der uns hilft, unseren Gästen und Bewohnern auch weiterhin einen Ort zu bieten, an dem sie sich sicher und wohlfühlen können - zu jeder Jahreszeit", so der Einrichtungsleiter. Wie wichtig das ist, verdeutlicht ein Blick auf die Zahlen: Allein die Tagesstätte des Franziskus-Hauses verzeichnete im vergangenen Jahr fast 20.000 Besuche und mehr als 4.000 Übernachtungen fanden in der Herberge statt. "Die vorgeschlagenen Maßnahmen des Klimaanpassungskonzeptes kämen aber nicht nur vielen Menschen, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, zugute", stellt Caritas-Regionalleiter Broßmann fest. "Die im Franziskus-Haus entwickelten Lösungen können auch als Modellprojekt dienen und andere zum Nachahmen inspirieren." Beide hoffen, dass das Franziskus-Haus das angestoßene Projekt fortführen kann und auch bei der Umsetzung durch das Bundesprojekt gefördert werden wird. "Wir haben ein tolles Konzept mit vielen guten Ideen - wir sind überzeugt, dass es sich lohnt, diese auch in die Tat umzusetzen."