Mit Wilhelm Paul Winterstein hat Hanau vor wenigen Wochen einen großherzigen und engagierten Mitbürger verloren. Auch die Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst in Trägerschaft des Caritasverbandes für den Main-Kinzig-Kreis trauert um den langjährigen Wegbegleiter und Unterstützer, der im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Über zwei Jahrzehnte hatte Winterstein gemeinsam mit seiner Frau Ursula Berenbrok-Winterstein die Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst unterstützt und somit wesentlich zur Entwicklung der Hospizarbeit in der Region beigetragen.
Gerade in der Anfangszeit sei diese Unterstützung sehr wichtig gewesen, erinnern sich Annette Böhmer, Fachbereichsleiterin der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst, und Professor Dr. Holger Kaesemann, Vorstandsmitglied des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis. Während die Hospiz- und Palliativversorgung im Main-Kinzig-Kreis heute engmaschig verknüpft und gut aufgestellt sei, war dies bei den Anfängen Mitte der neunziger Jahre noch nicht der Fall. Das Ehepaar Winterstein musste im persönlichen Umfeld erleben, wie belastend der Vorgang des Sterbens für den Betroffenen und die ihm nahe stehenden Menschen sein könne. Sie erfuhren aber auch, wie wohltuend entsprechende Unterstützung und Begleitung sein können. Aus diesen persönlichen Erfahrungen heraus entstand die Idee, eine Stiftung zu gründen, die ambulante Projekte der psycho-sozialen Hilfe für hochbetagte, schwerstkranke und sterbende Menschen sowie für deren Helferinnen und Helfer unterstützt. "Wilhelm Winterstein hat immer schon an die Sinnhaftigkeit dieser Sache geglaubt, noch bevor die Politik dies getan hat", stellt Annette Böhmer rückblickend auf dieses langjährige Engagement fest.
So habe in den Anfangsjahren auch dank der Unterstützung der Stiftung die wichtige Aus- und Weiterbildung der haupt- und ehrenamtlichen Hospizbegleiter finanziert werden können. Doch auch nachdem die Bedeutung der ambulanten Hospizbegleitung den Weg in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und Sozialgesetzgebung gefunden hatte, endete das Engagement der Stiftung für die Hospizarbeit nicht. Anders als andere unterstützte die Stiftung dabei auch die Pflege des Ehrenamtes in der Hospizarbeit kontinuierlich über die Jahre. Ein wichtiger Aspekt, wie die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst weiß.
Ohne Winterstein und seinen unvergesslichen Einsatz wäre die Hospizversorgung im Main-Kinzig-Kreis nicht dort, wo sie heute sei, ist auch Kaesemann überzeugt. Mit seinem herausragenden sozialen Engagement sei Winterstein dabei eine "Keimzelle" für die Hospizarbeit gewesen. Dies geschah besonders über Konfessionsgrenzen hinweg und mit dem Blick auf die Versorgung der bedürftigen Menschen.
Die große Hingabe, mit der Winterstein, seine Frau und das gesamte Stiftungskuratorium sich dieses Themas angenommen haben, schärfte auch den Blick der Öffentlichkeit auf die ambulante Hospizarbeit in der Region. Damit war Winterstein war ein wichtiger Impuls-Geber: "Ihm war es immer wichtig, Ideen anzuschieben", erinnert sich seine Frau. Beharrlich und zielstrebig habe er sich dabei gemeinsam mit seiner Frau stets mit viel Herzblut für diese gute Sache eingesetzt. "Mit Wilhelm Winterstein haben wir einen langjährigen Freund und Wegbegleiter verloren, der uns sehr fehlen wird", wissen Böhmer und Kaesemann. Mit der Fortführung der von ihm geschätzten Hospizarbeit wolle man Winterstein auch in Zukunft ein würdiges Andenken bewahren.